Vortrag von Sandrine Coyez (Sciences Po, Paris)
Neben den populären patriotischen Liedern der Amerikanischen Revolution dient die Oper als anspruchsvolle Kunstform, die nationale Identität und Freiheitsideale zum Ausdruck bringt. Während die Lieder die revolutionären Werte unmittelbar in die breite Öffentlichkeit trugen, entwickelte die amerikanische Oper im Laufe der Jahrhunderte vielschichtigere Darstellungen der amerikanischen Ideale und der amerikanischen Geschichte. Auf diese Weise trug sie zur Findung einer eigenständigen nationalen Identität bei. So leistet die Oper langfristig sogar einen Beitrag zur amerikanischen Unabhängigkeit selbst: Zum einen würdigt sie den politischen Bruch, der 1776 mit England als europäischer Kolonialmacht vollzogen wurde. Zum anderen setzt sie ihn auf kultureller Ebene fort, indem sie etwas Eigenständiges schafft, das sich von Europa abgrenzt. Von William Henry Frys frühen Versuchen, ein amerikanisches Opernrepertoire zu etablieren, über Gershwins "Porgy and Bess" bis hin zu John Adams' Werken "Nixon in China" und "Doctor Atomic" sowie Missy Mazzolis "Lincoln in the Bardo" ist die Erinnerung an die amerikanische Geschichte ein Thema, das immer wieder neu verhandelt wird.
Vortrag im Zusammenhang mit dem Jahresthema der Max Weber Stiftung "Echoes of 1776. Globale Perspektiven auf 250 Jahre Unabhängigkeitserklärung".
29. Oktober 2026, 18.00–20.00 Uhr
Öffentlicher Vortrag in englischer Sprache
Deutsches Historisches Institut in Rom
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