Vortrag von Claudio Bacciagaluppi (Bern) in italienischer Sprache.
Von vielen Werken Carissimis finden sich Quellen auch außerhalb Italiens. Sie belegen die große Verbreitung dieses Komponisten, darüberhinaus aber tragen sie oft auch deutliche Spuren der Anpassung seiner Kunst an Vorlieben des örtlichen Musikgeschmacks. Bacciagaluppi untersucht in seinem Vortrag zu Carrissimi und der Migration von dessen Werken zwei Fälle näher aus dem 17. Jahrhundert, in denen Musiker, die im deutschen Sprachraum aktiv waren, Motetten ihres berühmten Zeitgenossen bearbeitet haben: der Italiener Giovanni Battista Mocchi in Konstanz und der Kapellmeister Balthasar Erben in Danzig. Die Analyse der Unterschiede zwischen Original und seinen zeitlich benachbarten Bearbeitungen erfolgt anhand eines Vergleichs von Abschriften, die in Kroměříž, dem heutigen Tschechien, aufbewahrt werden. Dabei zeigt sich, dass die Motetten etwa mit einer neuen, deutlicher artikulierenden Instrumentalbegleitung angereichert wurden. Erben nimmt zudem tiefgreifende strukturelle Veränderungen an den Werken des römischen Meisters vor. Doch auch charakteristische Merkmale der Originalkompositionen treten bei einer derartigen Gegenüberstellung erst so recht zutage. Schließlich lässt sich feststellen, dass für die Rezeption Carissimis auch in den protestantsichen Ländern des Nordens nicht konfessionelle Fragen, sondern die außergewöhnliche Berühmtheit des Komponisten und die besondere Qualität seiner Werke bestimmend waren. ─ Claudio Bacciagaluppi hat Musikwissenschaft an der Universität Zürich studiert und in Fribourg (Schweiz) bei Luca Zoppelli promoviert. Er ist in der Arbeitsstelle Schweiz des RISM tätig und forscht vorwiegend zur geistlichen Musik in Neapel im 18. Jahrhundert sowie zur geistlichen Musik in der Schweiz im 17. Jahrhundert. An aktuellen Publikationen sind die Monografie Rom, Prag, Dresden: Pergolesi und die Neapolitanische Messe in Europa (Kassel 2010) sowie Beiträge in Early Music (2011) und Fonti musicali italiane (2012) zu nennen. Mit Luigi Collarile ist Claudio Bacciagaluppi zudem Herausgeber des thematischen Verzeichnisses der Werke Carlo Donato Cossonis (1623–1700), das 2009 in Bern erschienen ist.
Beginn: 19 Uhr
Eintritt frei. Anschließend Buffet