Der "Arabische Frühling" als Herausforderung für die christlichen Minderheiten im Nahen Osten

Vortrag von Dr. Thomas Scheffler, Lepsiushaus Potsdam

Die häufig als "Arabischer Frühling" begrüßten demokratischen Erhebungen in der arabischen Welt stellen die orientalischen christlichen Minderheiten vor Herausforderungen besonderer Art: Es geht nicht nur um die scheinbar einfache Entscheidung zwischen "Diktatur" und "Demokratie", sondern auch um die Furcht, die anlaufende Demokratisierung könne die Macht islamistischer Bewegungen stärken und die Stellung christlicher Minderheiten schmälern. Auch garantiert der Sturz autoritärer Regierungen noch keinen Schutz vor autoritären Mehrheitsgesellschaften. Darüber hinaus birgt die beim Sturz der vorhandenen Diktaturen eingesetzte Gewalt das Risiko, Bürgerkriegsenergien zu entfesseln, die die prekäre Sicherheit christlicher Minderheiten auf verschiedensten Ebenen gefährden können. Stehen die orientalischen Christen vor einem unausweichlich tragischen Entscheidungsdilemma oder bestehen auch Chancen für eine "minderheitenverträgliche" Demokratisierung im Nahen Osten?
 
Dr. Thomas Scheffler ist wissenschaftlicher Referent und seit 2011 stellvertretender Institutsdirektor am Orient-Institut Beirut (OIB) der Max Weber Stiftung. Er promovierte 1993 an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit zur Nahostpolitik der deutschen Sozialdemokratie im 19. und 20. Jahrhundert. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsschwerpunkt Moderner Orient (1993–1995), am Orient-Institut Beirut der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (1996–1990), Rockefeller Visiting Fellow am Kroc Institute for International Peace Studies der University of Notre Dame, Indiana, USA (2001–2002); Gastdozent an der Universität Kopenhagen (2005–2008) sowie DAAD-Langzeitdozent an der Université Saint-Joseph, Beirut (200–2009). Seine wichtigsten Forschungsgebiete sind: Religion und Gewalt, Monotheismus und politische Ordnung, ethnoreligiöse Minderheiten im Nahen Osten sowie Geschichte der deutschen Nahostpolitik und Orientforschung.

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