Erinnerung an das nie Gesehene. Das Bild als Vergegenwärtigung in Kunst und Literatur

16.-17.05.2014, Tagung, DFK Paris

Bilder erscheinen in der Literatur häufig als plötzliches Erkennen des Noch-nie-Gesehenen, zugleich aber auch als augenblickliches Wiedererkennen des Schon-einmal-Gesehenen.Walter Benjamin verknüpft beide Aspekte in der paradoxen Wendung der «Bilder, die wir nie sahen, bevor wir uns ihrer erinnerten», als welche er Marcel Prousts Bilder der mémoire involontaire definiert.

Diese Vergegenwärtigung – und nicht eine noch so weit gefasste Abbildfunktion –, definiert das Bild und begründet nicht nur seine emotionale Intensität, sondern auch seine «Lesbarkeit ». Dieses Bildverständnis ist bekanntlich verwandt mit Warburgs «Gespenstergeschichte » der Bilder, in denen ein Nachleben vergegenwärtigt wird, sowie mit Freuds Motiv der «Rückkehr des Verdrängten», das im Symptom « als gegenwärtiges Erlebnis » wiederholt wird.

Die interdisziplinäre Tagung am DFK soll dieser paradoxen Denkfigur der Vergegenwärtigung an der Schnittstelle von Kunst- und Literaturwissenschaft,
Zeichen- und Gedächtnistheorie, Poetik und Bildanthropologie nachgehen.

Programm