Die Welt der Kinder. Weltwissen und Weltdeutung in Schul- und Kinderbüchern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

04.-06.02.2016, Tagung, Zürich

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert erleben Wissen und Bildung große Veränderungen – neben dem rasanten technologischen Wandel setzen sich Buchkultur und Schulpflicht durch. Schulbücher tragen als staatlich geprägte Massenmedien in erheblichem Maße zur „Nationalisierung der Massen“ und damit zu verengten Repräsentationen von der Welt bei. Zugleich ist dies jedoch eine Zeit beschleunigter Globalisierung und einer enormen Erweiterung des gesellschaftlichen Wissens über die Welt. Die Tagung will diese sowohl gegenläufigen als auch verschränkten Prozesse aus wissensgeschichtlicher Perspektive aufnehmen und fragen, mit welchem Wissen und mit welchen Bildern von der Welt Kinder und Jugendliche in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg aufgewachsen sind.

Schul- und Kinderbücher stehen aus drei Gründen im Zentrum des Interesses: Zum ersten handelt es sich für eine Zeit, in der sich die große Mehrheit der Menschen weder durch eigene Reisen noch durch audiovisuelle Medien ein Bild von der Welt um sie herum machen konnten, um zentrale Quellen, wenn Historiker*innen gesellschaftliche Wissens- bzw. Diskursfelder jenseits gelehrten Wissens vermessen wollen. Zum zweiten sind Forschungen zu schulischen und außerschulischen (Bildungs-)Medien bisher kaum aufeinander bezogen und in ihrer Quellenspezifik reflektiert worden. Und zum dritten liegen für diese Forschungsgegenstände inzwischen ausreichend große digitale Quellenkorpora vor, die es gestatten, Chancen und Grenzen digitaler Forschung konkreter als vielfach üblich auszuloten: Digitale Werkzeuge und Methoden können und sollen auf der Tagung explizit unter Bezug auf spezifische historische Fragestellungen und Perioden, auf zeitgebundene Begriffe, besondere Adressaten (Heranwachsende) und je eigene semantische Strukturen (sehr verdichtete und zugleich komplexitätsreduzierte Sprache in Schulbüchern; literarische Texte und damit wenig redundante, nicht serielle Texte in Kinderbüchern) diskutiert werden.

Hier schließt die Konferenz an das Leibniz-geförderte Forschungsprojekt Welt der Kinder an, in dem seit 2014 sieben wissenschaftliche Institute und Bibliotheken unter Federführung des Georg-Eckert-Instituts zusammenarbeiten. Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen untersuchen über 6.000 deutschsprachige Schul- und Kinderbücher des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, um Wissen, Repräsentationen und Deutungen der Welt für eine Periode zu erforschen, die durch eine enorm beschleunigte Wissenserzeugung und -distribution sowie eine spezifische Verflechtung von Nationalisierungs- und Globalisierungsprozessen geprägt wurde.

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