Mi. 06.04.2022 | 17:00 Uhr
Prag
Das Collegium Carolinum und das Deutsche Historische Institut Warschau laden in Zusammenarbeit mit dem Pracovište studijního programu Genderová studia, Fakulta humanitních studií, Univerzita Karlova zu dem Vortrag von Dr. Christiane Brenner (München) "Scharf überwachter Sex? Prostitution in der sozialistischen Tschechoslowakei." am Mittwoch, 6. April 2022, 17.00 Uhr ein.
Moderation: Mgr. Kateřina Kolářová, Ph. D. (Univerzita Karlova)
Als die Kommunisten sich in der Tschechoslowakei 1948 die Alleinherrschaft sicherten, waren sie optimistisch, mit dem Aufbau des Sozialismus auch die Prostitution besiegen zu können. Dieses Ziel sollte in erster Linie dadurch erreicht werden, dass alle Menschen das Recht auf „ordentliche Arbeit“ erhielten. Um einer Welt den Weg zu bereiten, in der keine Frau mehr darauf angewiesen sein würde, ihren Lebensunterhalt mit sexuellen Diensten zu bestreiten, setzten sie aber auch auf massive Repression.
Trotzdem existierte Prostitution in der Tschechoslowakei während der gesamten sozialistischen Periode. Entsprechend inkonsequent war auch die politische und polizeiliche Praxis gegenüber Prostitution in der sozialistischen Tschechoslowakei. In meinem Vortrag werde ich die Motive hinter diesem widersprüchlichen Kurs diskutieren, der zwischen Repression und Duldung von Prostitution schwankte. Wann gingen Polizei und Staatssicherheit direkt gegen Prostitution vor, wann beließen sie es bei scharfer Überwachung oder blieben völlig untätig? Welche ordnungspolitischen Versprechen wurden im Zusammenhang mit Prostitution gemacht? Schließlich möchte ich diskutieren, welche Strategien, den sozialen Frieden und die herrschende Geschlechterordnung zu wahren, sich in der Politik der sozialistischen Tschechoslowakei gegenüber Prostitution identifizieren lassen.
Der Vortrag wird live in der Prager Außenstelle des Collegium Carolinum stattfinden (Valentinská 91/1, 3. Stock) sowie via Zoom übertragen.
Um Anmeldung wird gebeten unter: florian.ruttner[at]collegium-carolinum.de