Veranstaltungsbeginn: 18.00 Uhr, DHI Warschau
"Gender – noch Nische oder schon Mainstream? Historische Frauen- und Geschlechterforschung in Deutschland und Polen von den 1970er Jahren bis heute" Podiumsdiskussion mit Teilnahme von Dr. Dobrochna Kałwa, Historisches Institut der Universität Warschau und Dr. Kirsten Heinsohn, Historikerin, Stellvertretende Direktprin der Forschungsstelle für Zeitgeschichte (FZH) in Hamburg
Im 13. Lelewel-Gespräch wird die Entwicklung und Anwendung der analytischen Kategorie „Geschlecht“ (Gender) in der deutschen und polnischen Geschichtswissenschaft der letzten vier Jahrzehnte reflektiert. Das Gespräch ist als Streifzug durch die Geschichte des Phänomens gedacht. Wo und wann gab es Anstöße zur Implementierung dieser Kategorie auf verschiedenen Feldern der Geschichtswissenschaft? Inwieweit bereicherte die Frauen- und Geschlechterforschung die Wissenschaft um neue Perspektiven, Themen, Methoden und Institutionen? Die beiden Historikerinnen Dobrochna Kałwa und Kirsten Heinsohn diskutieren über den Verlauf der Integration von Ansätzen der Frauen- und Geschlechterforschung in ihr Fach und nehmen dabei auch die Schwierigkeiten und Hintergründe dieser Integration in den Blick.
Ein wichtiger Aspekt der Thematik ist die zeitlich versetzte Rezeption von Konzepten der historischen Frauen- und Geschlechterforschung: Während in Deutschland soziale Bewegungen der 1970er Jahre den Anstoß gaben, ging die Entwicklung in Polen in den 1990er Jahren eher von akademischen Kreisen aus. Welche weiteren Faktoren spielten eine Rolle? In welchem institutionellen Rahmen fand die allmähliche Aufnahme von Postulaten und Perspektiven der Frauen- und Geschlechterforschung in den wissenschaftlichen Diskurs statt? Eine solche vergleichende Institutionengeschichte hat besonders den Arbeitskreis Historischer Frauen- und Geschlechterforschung in Deutschland sowie die Kommission für Frauengeschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften (Komisja Historii Kobiet PAN) zu berücksichtigen, die seit über zwei Jahrzehnten die Forschungslandschaft mitprägen.
Wenngleich bei diesem Lelewel-Gespräch die Geschichtswissenschaft in Polen und in Deutschland sowie der Vergleich der Rezeptionsprozesse in beiden Ländern im Fokus stehen, richtet sich der Blick doch auch auf transnationale Verflechtungen und die Einbettung dieser Prozesse in den internationalen Kontext.