„Grenzgänger der Künste“ - Spannungsfeld Museum im Kunstbetrieb um 1900

12.-13.11.2015, Tagung, DFK Paris

Grenzgänger der Künste: Spannungsfeld Museum im Kunstbetrieb um 1900, Internationale wissenschaftliche Tagung – Ein Kooperationsprojekt des Kunstgeschichtlichen Instituts der Ruhr-Universität Bochum, der Forschungsstelle Art Nouveau in Berlin und des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris

Die grundlegenden Parameter des heutigen Kunstbetriebs – Kunstmarkt, Museum, Kunstwissenschaft und Kunstkritik – differenzierten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts aus. Die Berufsbilder Kunstkritiker, Kunstwissenschaftler, Kunsthändler, Kurator und Museumdirektor konturierten einander dabei wechselseitig, ohne dass dieser Prozess bislang untersucht worden wäre. Während die akademische Kunstgeschichte ihre Genese zwar weitestgehend rekonstruiert hat, ist ihr Verhältnis zur Kunstkritik – von ihren Anfängen bis heute – nach wie vor wenig beleuchtet worden. Funktion und Geschichte der Berufsgruppen Kunsthändler, Kurator und Museumsdirektor wurden bislang nur vereinzelt untersucht. Grenzen, Verflechtungen, Funktionsüberschneidungen und das Networking innerhalb des Kunstbetriebs der Kaiserzeit sind zu weiten Teilen noch unerforscht, sowohl was den innerdeutschen, als auch was den internationalen Austausch und die Zirkulation von Ideen und Kulturgütern betrifft. 
Zu fragen ist daher, wie sich vor dem Hintergrund der angespannten deutsch-französischen Beziehungen um 1900 ein doch bemerkenswert reger, länderübergreifender Transfer von Kunst und Ideen entwickeln konnte. Händler, Galeristen, Kunstkritiker und Museumsleute bilden eine enge Verzahnung in diesem Prozess. Die Tagung stellt es sich zur Aufgabe, die institutionellen Strukturen, Praktiken und repräsentativen Persönlichkeiten des deutsch-französischen Kunstbetriebs um 1900 zu untersuchen. Erstmals soll dabei vordringlich auch die Rolle des Museums in den Blick genommen werden. Es stellt eine Besonderheit des deutschsprachigen Raumes dar, dass sich landesweit viele Museumsdirektoren wie Justus Brinckmann, Hugo von Tschudi, Alfred Lichtwark, Friedrich Deneken, Gustav Pauli, Woldemar von Seidlitz, Georg Swarzenski oder Fritz Wichert auch für die als „modern“ empfundene französische Kunst einsetzten.

Ziel der Tagung ist es, grundlegende Facetten und Bedingungen des Kunstbetriebes, (inter)nationale Netzwerke und Kooperationen, die Durchsetzung von (kanonischen) Werten, das Entstehen vielfach bis heute existenter Sammlungen und die Art und Weise der Zirkulation von Kunst und Ideen herauszuarbeiten. Als Frage stellt sich ferner, inwieweit die historischen Einsichten gegenwärtige Museumsstrukturen und Zuständigkeitsbereiche zu erhellen helfen?

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