Deutsches Historisches Institut Warschau in Kooperation mit dem Centrum Badań nad Zagładą Żydów Warschau
Der nördliche Teil Masowiens wurde nach dem deutschen Überfall auf Polen noch 1939 als Regierungsbezirk Zichenau in die Provinz Ostpreußen eingegliedert. Betroffen waren im Wesentlichen die Gebiete der Wojewodschaft Warschau nördlich von Weichsel und Narew. Zur Bezirkshauptstadt wurde die zentral gelegene kleine Stadt Ciechanów ernannt, die in Zichenau umbenannt wurde. Die Bevölkerung war vorwiegend polnisch mit einem jüdischen Anteil von knapp 10 Prozent sowie einigen Tausend Nachkommen deutscher Siedler. Rechtlich als Teil des Deutschen Reichs betrachtet, wurde das Gebiet von der ostpreußischen Führung de facto als Kolonisationsgebiet behandelt, in dem die nichtdeutsche Bevölkerung entrechtet und unterdrückt werden konnte.
In der historischen Forschung fand der Regierungsbezirk Zichenau bislang verhältnismäßig wenig Beachtung; so fehlt bis heute eine wissenschaftliche Gesamtdarstellung der Besatzungszeit dieses Gebiets. Ziel der Konferenz ist es, den verstreuten Wissensstand zu einem Gesamtbild zusammenzuführen und langfristige Forschungsperspektiven aufzuzeigen. Im Zentrum stehen dabei Charakter und Struktur der Besatzungsherrschaft und deren Akteure im Vergleich mit anderen polnischen Gebieten und Ostpreußen. Darüber hinaus liegt ein weiterer Schwerpunkt auf den Alltagserfahrungen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Ein besonderes Augenmerk soll auf die Erfahrung unterschiedlicher Formen von Gewalt gelegt werden. In diesem Kontext steht besonders auch der Verlauf der Verfolgung und Ermordung der nordmasowischen Juden im Vergleich zu anderen besetzten Gebieten im Fokus. Nahezu alle Bevölkerungsgruppen waren vom Phänomen der Zwangsmigration betroffen, da große Teile der einheimischen Bevölkerung ins Generalgouvernement abgeschoben wurden. Die Erfahrungen der im Regierungsbezirk angesiedelten „Volksdeutschen“, vornehmlich Deutschbalten, bildet ein weiteres Forschungsdesiderat. Ein weiterer Themenschwerpunkt sollen die Imaginationen von Raum und Region sein, die dem Handeln besonders der deutschen Protagonisten zugrunde lagen. Zu guter Letzt wird es auch darum gehen, Reaktionen und (Über-)Lebensstrategien der einheimischen polnischen wie jüdischen Bevölkerung aufzuzeigen.
Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Polnisch; in Ausnahmefällen wird Englisch akzeptiert.