Der 17. Juni 1953 bildete den Höhepunkt einer allgemeinen Erhebung gegen die damalige kommunistische Herrschaft in der DDR. Ausgehend vom Widerspruch gegen als untragbar empfundene Arbeitsnormen und andere mit dem „Aufbau des Sozialismus“ verbundene wirtschaftliche und soziale Belastungen, mündeten die Proteste von Arbeitern, aber auch von Bauern, Studenten und anderen gesellschaftlichen Gruppen in die politische Forderung nach freien Wahlen und der Wiedervereinigung Deutschlands. Die blutige Niederschlagung des Aufstands durch sowjetische Besatzungstruppen machte deutlich, dass die Sowjetunion diesen nicht nur als lokales Ereignis betrachtete, sondern durch ihn ihre machtpolitische Stellung in Mitteleuropa bedroht sah.
Über diesen Aufstand wurde vom 5. Juni bis zum 15. September 2013 im Warschauer Dom Spotkań z Historią die Ausstellung „Wir wollen freie Menschen sein!“ gezeigt. Diese von der Bundesstiftung Aufarbeitung in Berlin konzipierte Ausstellung war auf Anregung der Deutschen Botschaft in Warschau durch das Deutsche Historische Institut Warschau und das Historische Institut der Universität Warschau übersetzt und um für Polen relevante Inhalte ergänzt worden. Anlässlich der Schließung der Ausstellung veranstaltet das Deutsche Historische Institut Warschau am 13. September 2013 eine Podiumsdiskussion über die transnationale Dimension sowie über die langfristige Bedeutung des Aufstands.
Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sahen sich die in der DDR lebenden Deutschen mit ihren Nachbarn in Polen und der Tschechoslowakei in einem sowjetisch gelenkten politischen Lager zusammengeführt, aus dem langfristig eine „sozialistische“ transnationale Gemeinschaft entstehen sollte. Aber auch die sich in den verschiedenen Ländern entwickelnden Formen der antikommunistischen Opposition wiesen oft starke transnationale Züge auf. Im Rückblick erscheint der Aufstand von 1953 daher als erstes einer Kette von Widerstandsakten gegen den Sowjetkommunismus, dem in den Jahren 1956, 1968, 1976, 1980/81 und 1989/90 weitere folgten.
Dennoch ist die Frage nach dem transnationalen Charakter und der zeitlichen Kontinuität dieses Widerstands nicht einfach. In der Diskussion soll unter anderem danach gefragt werden, inwieweit der „deutsche” Aufstand von den Nachbarn als ein auch sie betreffender Vorgang empfunden wurde und ggf. sogar ein Gefühl der Solidarität hervorrief. Dieser Punkt wird in der Ausstellung am polnischen Beispiel thematisiert. Bezogen auf die Gegenwart führt dies zur Frage, ob bzw. in welchem Maß die Erinnerung an dieses und andere Beispiele des antikommunistischen Widerstands zur Entstehung eines gemeinsamen regionalen Gedächtnisses im postkommunistischen Europa beitragen kann.
Podiumsdiskussion zur transnationalen Bedeutung und Wirkungsgeschichte des Volksaufstands in der DDR vom 17. Juni 1953
Deutsches Historisches Institut Warschau, 13. September 2013, 18.00 Uhr